Theater unterm Turm | Die Präsidentinnen
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Die Präsidentinnen

Radialkomödie / Theaterstück von Werner Schwab

(geboren 4. Februar 1958

gestorben 1. Januar 1994)

 

Werner Schwab, der österreichische Punk-Dramatiker unter den Wortmusikern, schuf mit seinen „Präsidentinnen“ einen Klassiker über die Abgründe des Kleinbürgertums. Das Stück zählt zu den aufregendsten, skurrilsten und komischsten Theatertexten der Gegenwart. 1990 wurde der sprachgewaltige und witzig-böse Text in Wien uraufgeführt und brachte Schwab den Durchbruch als Dramatiker

 

Werner Schwabs Sprache speist sich aus den Niederungen des Lebens und überwältigt durch ihre Kraft und durch ihre Komik.
DIE PRÄSIDENTINNEN machten Schwab zu einem Star der Theater- und Literaturszene.

Nur vier Jahre blieben ihm, Zeit für 16 Theaterstücke, bis er sich im Alter von 35 Jahren mit 4,1 Promille ins Jenseits befördert hatte.

„Die Präsidentinnen“, eines der Fäkaliendramen des Sprachberserkers. Schwab versammelt darin drei fromme Proletinnen, wo das fatale Gemisch aus Glaube, Liebe, Hoffnung aus ihnen heraussprudelt wie eine Kloake der Sehnsüchte.

 

Drei Putzfrauen, die sich in den bis zur Zerfleischung forcierten Rausch aus Religiosität, Geilheit und Kleinbürgermuff schrauben.

Erna, als bigotte Discounter-Domina, ganz verstopft vor Lebensekel.

Grete, die Dackel-Dompteuse mit beklemmend ausgreifender Selbstzufriedenheit.

Mariedl, sie wirft sich hingebungsvoll in die entrückten Tiraden der Abort-Königin.

 

Sie träumen, schwadronieren, phantasieren, krakeelen sich aus ihrem verunglückten Dasein heraus, befreien sich von ihrem Weltekel und schwingen sich auf zu Herrscherinnen des Universums. Ein schräger Schrei, ein Aberwitz, ein Sprachkunstwerk.

 

Den Ton geben die Mindestpensionistin Erna und die Vollpensionistin Grete an, gealterte Furien vor dem Herrn, ganz gallig vor Enttäuschung über die eigenen Kinder, weil die sich abwenden „vom Leben und von der Menschlichkeit“. Ernas Sohn Herrmann zum Beispiel weigert sich, „einen Verkehr zu haben“, wie er per Postkarte mitteilt, obwohl er könnte. So wird das nichts mit dem Enkel. Grete hat’s auch nicht leichter, ihre Tochter Hannelore lebt in Australien und hat sich „ausnehmen lassen wie ein Hendl, die Eierstöcke und was weiß ich“. Und zwischen diesen beiden Scharteken irrlichtert als Jüngste im Bunde die Mariedl umher, eine Heilige der Klosettschüsseln, die beherzt noch in den finstersten Abort greift, „weil wenn der Herrgott die ganze Welt angeschafft hat, dann hat er auch die menschliche Jauche erschaffen.“

 

Es ist eigentlich ein ganz normaler Abend bei diesen drei Präsidentinnen: Sie fachsimpeln über das Innere des Menschen. Gemeinsam wollen die drei „den ganzen Lebensschmutz vergessen“. Doch je mehr sie reden, desto mehr entlarvt sich, wie tief sie bereits im Schlamassel stecken – eine Jauchegrube aus Selbstmitleid, Größenwahn und Schuld.

 

Schnell geraten die beiden Älteren in einen handfesten Streit darüber, wer mehr aus seinem Leben gemacht hat, Erna oder Grete. Dabei liegen ihnen die ungeratenen, erwachsenen Kinder auf der Seele, die sich der mütterlichen Fürsorge entziehen. Die jüngere Mariedl hat diese Probleme nicht. Sie hat ihre Berufung zum Beruf gemacht und beweist gottesfürchtige Nächstenliebe, indem sie die verstopften Klosetts ihrer Mitmenschen reinigt – ohne Gummihandschuhe und mit der bloßen Hand!

Jetzt wollen die drei Mal »den ganzen Lebensschmutz vergessen« und steigern sich beim gepflegten Achterl in ihre Glücksvisionen hinein: Ein Dorffest, auf dem sich Grete in einen feschen Musikanten verliebt, Erna endlich mit dem angehimmelten, tugendhaften Fleischhauer Wottila zusammenkommt und Mariedl dank ihrer speziellen Künste gleich als Retterin des ganzen Festes gefeiert wird. Doch als Mariedl die Rede auf die Kinder bringt, platzt die Phantasieblase …

 

Erna, Grete und Mariedl sind die Präsidentinnen: „Das sind Leute, die glauben, alles zu wissen,über alle zu bestimmen“, schreibt Schwab.
Erna, Grete und Mariedl sind Freundinnen: Erna hat sich der Religion und der Sparsamkeit verschrieben, gießt ihren Kaffee mit Klopapier auf und träumt von einer Liaison mit dem örtlichen Fleischer Wottila. Grete, von ihrem Mann für eine 18-Jährige verlassen, hat sich ihren Dackel Lydi zur neuen Lebenspartnerin erkoren, und fantasiert sich heimlich eine Zukunft als Gutsherrin mit dem feschen Freddy herbei. Mariedl ist Klofrau von Beruf und aus Berufung und beweist gottesfürchtige Nächstenliebe, indem sie die verstopften Klosetts ihrer Mitmenschen reinigt.

es spielen

Marija Jancic

Fabia Handschin

Stephanie Seiller-Tarbuk

Regie

Marco Thom

Spieldauer ca. 90 Minuten

Aufführungsrechte Deutscher Theaterverlag Weinheim

Preis: 15 / 9 Euro

Termine

Freitag

22.09.2017

2000 Uhr

Samstag

23.09.2017

1900 Uhr

Freitag

13.10.2017

2000 Uhr

Samstag

14.10.2017

1900 Uhr

Freitag

10.11.2017

2000 Uhr

Samstag

11.11.2017

1900 Uhr

Freitag

08.12.2017

2000 Uhr